Ein wenig stolz ist Andrea Bardill schon, wenn er an der Diplomfeier 2025 im Campus Sursee zurückdenkt. Dort bekam er für seine Diplomarbeit der Fachrichtung Geschäftsführung Bau NDS HF den Goldenen Baumaster. Mit dem renommierten Preis zeichnet die Schweizer Bauwirtschaft jedes Jahr Spitzenleistungen in der Aus- und Weiterbildung aus. Dass er in seiner beruflichen Laufbahn einst dieser Auszeichnung erhält, daran hat der 35-Jährige nicht im Traum gedacht. Klar war für ihn allerdings schon früh: «Maurer ist mein Traumberuf». Baumaschinen bewunderte er schon als Knirps, vielleicht spielt auch das familiäre Umfeld eine Rolle. Sein Grossvater führte ein kleines Maurergeschäft und nahm den Enkel öfters zur Arbeit mit. So erstaunt es nicht, dass Andrea Bardill nach der Schule eine Maurerlehre absolvierte. «Am Maurer gefällt mir, dass am Feierabend ersichtlich ist, was man den ganzen Tag gearbeitet hat.»
Faszination Blaulicht
Nach Lehrabschluss arbeitete Bardill vier Jahre auf dem Beruf, bis er sich für einen Schnitt entschied, das Baugewerbe verliess und eine Polizeiausbildung begann. «Mein Chef war zwar nicht so begeistert, aber die meisten Leute aus meinem Freundeskreis reagierten positiv.» Weshalb dieser eher unübliche Berufswechsel? «Das Blaulicht fasziniert mich, deshalb ich bin auch in der Feuerwehr und eine Ausbildung bei der Polizei hat viele Vorteile.» Sie half ihm, seine Persönlichkeit zu stärken, mit schwierigen Situationen umzugehen und schnell, klare Entscheidungen zu fällen. Es folgten fünf Jahre als Polizist in Chur. Für jemanden wie Andrea Bardill, der in einem Bergdorf aufgewachsen ist, tat sich eine Welt auf, die er vorher nicht gekannt hat. Als junger Polizist gehörten nun Kriminalität, Drogen, häuslicher Gewalt und sozialer Not zu seinem Alltagsjob. «Die Zeit bei der Polizei war intensiv, mit vielen prägenden Erlebnissen, die ich nicht missen möchte», sagt er. Die schönsten Momente seien jene gewesen, in denen er als Polizist anderen Menschen helfen konnte.
Baugewerbe als berufliche Zukunft
Unregelmässige Arbeitszeiten, viel Routinearbeit und vor allem der allgemein abnehmende Respekt in der Gesellschaft gegenüber der Polizei, haben ihn immer mehr beschäftigt. «Letztlich zog es mich wieder auf den Bau, da sehe ich langfristig meine berufliche Zukunft», sagt er. Als Polizist habe er gelernt, in brenzligen Situationen ruhig zu bleiben, klar zu kommunizieren, Eigenschaften, die im bei der Personalführung, der Leitung einer Baustelle oder im Kontakt mit Kunden und Bauherren nun helfen. Seit fünf Jahren arbeitet Bardill wieder bei seiner einstigen Lehrfirma, der Vetsch Bau AG in Küblis. Diese förderte ihn schon früh und gab ihm viel Verantwortung. Bardill: «Die Firma ist regional gut verankert. Mit gefällt, wie wir unsere Kunden von der ersten Idee bis zum letzten Schliff begleiten.» Wie sieht seine berufliche Zukunft aus? Den ganzen Tag im Büro sitzen und nur Tabellen studieren, sei nicht sein Traum. «Mit gefällt die Mischung aus Bauführung und Geschäftsleitung. Deshalb will er in den kommenden Monaten seine Rolle als Geschäftsführer weiter festigen. Sein Karrieretipp an junge Leute? Gerade in Zeiten der Künstlichen Intelligenz mache es Sinn, eine Handwerkerlehre zu absolvieren. «Wer sich im Baugewerbe bemüht und Interesse zeigt, dem steht der Weg auf der beruflichen Karriereleiter nach oben weit offen.»

